Formel 1 News
Hamilton gewinnt Chaos-Rennen in Montreal
10 Juni 2007 / Ergebnisse / FotosUnfälle, Disqualifikationen, vier Safety-Car-Phasen - von all dem unbeeindruckt fuhr Lewis Hamilton mit einer fehlerfreien Leistung seinen ersten Sieg nach Hause und sicherte sich die Führung im WM-Klassement, 8 Punkte vor seinem Teamkollegen Alonso. Nick Heidfeld schaffte in Montreal den Sprung aufs Podium und wurde Zweiter vor Alexander Wurz. Überschattet wurde der Grand Prix von einem schweren Unfall von Robert Kubica.
Beim Start sah es kurzzeitig so aus, als könnte Alonso an Hamilton vorbeiziehen, doch der amtierende Weltmeister war etwas übereifrig und bremste in der ersten Kurve zu spät ab. Alonso kam aufs Gras, kürzte so ab und ließ sich daraufhin hinter Hamilton und Heidfeld zurückfallen, um einer Strafe zu entgehen. In der Folgephase gab Hamilton vorne den Ton an und baute seinen Vorsprung immer weiter aus, während Alonso hinter Heidfeld fest hing.
Erste Ausfällt gab es bereits früh zu vermelden: Jenson Buttons Auto blieb mit einem technischen Defekt beim Start stehen, und wenig später beendete eine Kollision mit Wurz das Rennen von Scott Speed. Der von ganz hinten gestartete Heikki Kovalainen räumte das Feld derweil von hinten auf und war in Runde 13 bereits auf Platz 15 vorgefahren.
Alonso hatte auch im weiteren Rennverlauf immer wieder Probleme in Turn 1 und kam weit aufs Gras. In Runde 19 führte derselbe Fehler zum Platzverlust an Massa. Nachdem sowohl Heidfeld als auch Hamilton ihre ersten Boxenstopps abgewickelt hatten, gibt Massa sogar zwischenzeitlich in Führung.
Ein Unfall von Adrian Sutil, der seinen Spyker in die Mauer setzte, führte zu einer Safety-Car-Phase. Bei McLaren und Williams reagierte man schnell und holte Alonso bzw. Rosberg in die Box - ein Fehler, denn im neuen Reglement sind Boxenstopps während der Safety-Car-Phase nur erlaubt, nachdem die Boxengasse von der Rennleitung freigegeben wurde. Da Alonso und Rosberg das nicht abgewartet hatten, wurden beide später mit einer 10-Sekunden-Strafe belegt. Als die Boxengasse in Runde 25 geöffnet wurde, war dort Hochbetrieb - bei Ferrari standen die Fahrer sogar in Schlange an.
Beim fliegenden Start in Runde 26 verteidigten Hamilton, Heidfeld und Alonso ihre Positionen. Doch kurz nachdem das Rennen wieder freigegeben war, sorgte ein schwerer Unfall von Robert Kubica für eine weitere Safety-Car-Phase. Der BMW-Pilot hatte vor der Haarnadelkurve den Toyota von Jarno Trulli von hinten touchiert und schoss dadurch frontal in die Mauer auf der Innenseite der Strecke. Durch die Wucht des 270km/h-Aufpralls wurde sein Auto durch die Luft geschleudert, überschlug sich und schlug schließlich in die Streckenbegrenzung auf der Außenseite ein, wo es zum Stillstand kam. Über den Zustand Kubicas wurde lange nichts bekannt gegeben, während das Ärzteteam ihn aus dem Wrack holte und ins Streckenhospital brachte und die Marshalls die Strecke säuberten. Entwarnung, dass Kubica bei Bewusstsein sei und es ihm den Umständen entsprechend gut ginge, kam erst relativ spät im Rennen.
In Runde 34 ging das Safety-Car von der Strecke. In den Runden 47 und 48 kamen die beiden Führenden Hamilton und Heidfeld zu ihren jeweils zweiten Boxenstopps. Viele ihrer Kollegen und Konkurrenten hatten die beiden Safety-Car-Phasen zum Nachtanken und Reifenholen genutzt. Alonso musste sich indes nach seiner Strafe vom hinteren Mittelfeld wieder nach vorne arbeiten. Bestraft wurden außerdem Massa und Fisichella - und zwar mit Disqualifikation. Beide hatten während der ersten Gelbphase rote Ampeln am Boxengassenausgang ignoriert.
Nachdem Albers bei einem Ausritt seinen Frontflügel verloren hatte, kam das Safety Car in Runde 50 zum dritten Mal zum Einsatz: Überholmanöver - wieder einmal - verboten, zumindest auf der Strecke. Alonso machte es ganz schlau und setzte seine Aufholjagd in der Boxengasse fort, wo er beim gleichzeitigen Boxenstopp eine Nasenlänge vor Räikkönen wieder auf die Strecke kam. Als das Rennen eine Runde später wieder freigegeben war, kam Alonso in der ersten Kurve aber erneut aufs Gras und verlor Positionen - es war ganz offensichtlich nicht das Rennen des Titelverteidigers.
Vorne behielt Hamilton einen kühlen Kopf und gewann auf den dritten fliegenden Start. Mark Webber, durch Boxenstopps und Safety-Car-Phasen zwischenzeitlich vorgespült, bog in die Boxengasse ab und überließ Heidfeld wieder den zweiten Platz vor Barrichello, Wurz, Liuzzi, Trulli und Kovalainen.
Doch die nächste Safety-Car-Phase - Nummer 4 an der Zahl - folgte stehenden Fußes. Vitantonio Liuzzi setzte seinen Toro Rosso in Runde 56 an einer äußert ungünstigen Stelle in die Mauer. Und auch für Trulli war das Rennen kurz darauf nach einem Abflug in der Haarnadelkurve vorbei.
10 Runden vor Ende des Rennens gab es einen letzten fliegenden Start, und auch diesmal war Hamiltons Führung ungefährdet. Heidfeld hielt sich weiter auf Platz zwei vor Barrichello, Wurz, Kovalainen und Räikkönen. Dahinter ging Alonso an Ralf Schumacher vorbei und war damit Siebter. Doch auf den Plätzen 5 bis 10 ging es sehr eng zu. In Runde 63 kam Barrichello auf Position 3 zu seinem zweiten Stopp an die Box und viel dadurch aus den Punkterängen, wo der Kampf weiter ging. Besonders Takuma Sato im Super Aguri war auf Angriffskurs: zunächst zog er an Ralf Schumacher vorbei, dann gelang ihm das scheinbar unmögliche und er überholte Alonso.
Dessen Teamkollege Lewis Hamilton fuhr indes ungefährdet seinem ersten Sieg entgegen. Mit einer blitzsauberen Vorstellung überquerte er die Ziellinie vor Nick Heidfeld, der hier ebenfalls eine starke Leistung abgeliefert hatte. Alex Wurz hatte das Chaosrennen optimal genutzt und war bis aufs Podium vorgefahren - ein Ergebnis, dass der von ganz hinten ins Rennen gegangene Heikki Kovalainen als Vierter nur knapp verpasste. - Ein versöhnliches Ende für ein katastrophales Rennwochenende des Finnen.
Räikkönen rettete die Ehre von Ferrari zumindest halbwegs mit Platz 5, während man den 6. Platz von Sato bei Super Aguri wohl frenetisch feiern dürfte - besonders, da der Japaner den amtierenden Weltmeister im direkten Duell geschlagen hatte. Alonso musste sich am Ende mit Platz 7 begnügen. Einen WM-Punkt gab es für Ralf Schumacher im Toyota.
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